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Faelle zu Wirtschaftlichkeit

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Wirtschaftlichkeit im Kulturbereich - am Beispiel der Kölner Museen

Burkhardt Krems, 2011-09-29 / 2012-01-15

Wie steuert man den Kulturbereich, wie erreicht man, dass die politisch richtigen Entscheidungen getroffen werden, die möglichst viel, möglichst attraktive Kultur mit Breitenwirkung zu bezahlbaren Kosten und ohne problematische Nebenwirkungen erreichen?  

Dazu eine Zusammenstellung der Kennzahlen der Kölner Museen, wie sie im Haushaltsplan der Stadt Köln zu finden sind. Sie werfen eine Reihe von Frage auf:

  • Sind es die richtigen Kennzahlen, die verwendet werden? Spiegeln sie den öffentlichen Auftrag der Museen und ob er gut erfüllt wird? Erlauben sie politisch informierte Entscheidungen des Rates? (Antwort: allenfalls zum Teil, wichtige Aspekte fehlen)
  • Sind sie so aufbereitet, dass die Politik daraus sinnvolle Entscheidungen ableiten kann? (Antwort: eher nein)
  • Wie erklären sich die Unterschiede zwischen den Museen, wie die z. T. extremen Unterschiede im Jahresvergleich (siehe insbesondere "Zuschuss pro Besucher" mit Werten zwischen 66 € und 582 € für 2011, einer Verdoppelung dieses Zuschusses von 2010 zu 2011)?
  • Welche Ergebnisse sind beeinflussbar? Kosten, Kostendeckungsgrad, Zuschuss pro Besucher sind zum überwiegenden Teil durch Fixkosten geprägt, sind also politisch kaum steuerbar, weil nicht durch den laufenden Betrieb verursacht. Selbst wenn man den Betrieb einstellt, würden diese Kosten weiter entstehen.

Museen_Produktdatenvergleich

Link zur Tabelle Museen_Produktdatenvergleich.jpg

Es fehlt also viel an Grundlagen für eine sinnvolle Kulturpolitik: wichtige Kenngrößen, um das Kulturgeschehen einzuschätzen und darauf politische Entscheidungen zu stützen, die Aufbereitung vorhandener Kennzahlen, damit sie Entscheidungsgrundlagen liefern können. Und es stellt sich die Frage, ob diese Produktdaten überhaupt relevant sind, also von Politik und Verwaltung verwendet werden.

Aber wer wenig Geld hat, muss mit dem knappen Geld besonders gut umgehen, also so, dass möglichst viel Nutzen für die Stadt entsteht. Oder auch: es gibt viel konzeptionelle Arbeit.

Weitere Informationen und Anmerkungen zum Vergleich der Produktdaten in dieser PDF-Datei.

Ein Schlauchturm für die Kölner Feuerwehr?

In Köln-Bickendorf soll ein Schlauchturm für die Feuerwehr gebaut werden, um Geld zu sparen. Denn bisher werden die Schläuche von einem privaten Unternehmen getrocknet. Das will man dann selbst machen. Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt dazu (07.04.2011, S. 35):

Das etwa 25 Meter hohe Bauwerk, das 52 Jahre alt war, wurde abgebrochen, nachdem akute Einsturzgefahr festgestellt worden war. Zunächst halfen Feuerwehren in benachbarten Städten bei der Schlauchtrocknung aus. Inzwischen erledigt dies ein privates Unternehmen für 43 000 Euro pro Jahr. Jetzt will die Stadt einen neuen Turm bauen. Er soll auf dem Gelände der Feuerwache in Bickendorf stehen. Die veranschlagten Kosten von 400 000 Euro sollen über eine Nutzungsdauer von 50 Jahren mit 8 000 Euro jährlich abgeschrieben werden. Daher ergeben sich laut Verwaltung 35 000 Euro Kostenersparnis gegenüber der Schlauchtrocknung durch ein Privatunternehmen.

400.000 Euro sollen investiert werden, das führt "nur" zu Abschreibungen von jährlich 8.000 Euro, und da das Schlauchtrocknen durch ein privates Unternehmen jährlich 43.000 Euro kostet, spart man locker 35.000 Euro pro Jahr.

Das klingt nur auf den ersten Blick gut. Woher kommt bei der Stadt Köln das Geld - aus dem Geldautomaten an der Wand? Sie hat keine Finanzierungskosten? Eigentlich lernen alle, die eine Ausbildung für den Verwaltungsdienst machen, mindestens die Grundzüge der Kostenvergleichsrechnung - und man weiß auch als "normaler" Bürger: Geld zu bekommen kostet Geld. Wer mal ein Auto oder gar Wohneigentum finanziert hat weiß, dass das eine ganze Menge sein kann. In der Fachsprache: zu den "kalkulatorischen Kosten" gehören nicht nur Abschreibungen, sondern auch die Kosten der Kapitalbindung, berücksichtigt durch "kalkulatorische Zinsen": 400.000 Euro müssen ja irgend woher kommen und sind dann in dem Bauwerk gebunden. Berechnung: halbe Investitionssumme mal Zinssatz für langfristige Kredite (man kann davon ausgehen, dass die Stadt Köln ihre Investitionen durchweg mit Krediten finanziert), dafür schreibt die Kämmerei derzeit einen Zinssatz von 4,5% vor.

Macht noch einmal 9.000 Euro jährliche Kosten für kalkulatorische Zinsen. Bleiben noch zumindest die "Wagniskosten": was üblicherweise als Versicherung bezahlt wird. Und wer wartet den Turm, der ja nicht nur ein Bauwerk ist, sondern auch technische Vorrichtungen enthält: braucht das alles keine Pflege in all den Jahren? Und ist die Immobilienverwaltung kostenlos?

Aber vor allem: wer betreibt den Turm: wer bringt die Schläuche nach Bickendorf und von dort zurück zu den Standorten der Feuerwehr, wer hängt sie auf und nimmt sie wieder ab, und zwar fachkundig und mit Garantie? Vielleicht hat man dafür Personal, das dafür nicht genutzte Zeit übrig hat? Und dieses Personal muss dafür nicht geschult, angeleitet, überwacht werden, es gibt auch kein Fehler- und Unfallrisiko, das sonst der private Unternehmer trägt? Das alles müsste erst einmal geprüft - und sollte dann auch gesagt - werden. 

So ist es erst einmal eine Milchmädchenrechnung. Fragt sich, ob hier der Journalist nicht richtig informiert war, nicht richtig berichtet hat, oder ob in der Stadtverwaltung tatsächlich so viel Unkenntnis über die Grundlagen des Umgangs mit knappen Steuergeldern vorhanden ist.

Im Ergebnis könnte die Entscheidung richtig, sprich: wirtschaftlich sein, denn es kommt immer auch auf den Nutzen an, und da gibt es weitere Aspekte (Nutzung des Turms für das Höhenretter-Training und als Antennenmast). Aber um die Wirtschaftlichkeit zutreffend zu beurteilen, muss schon die Kostenseite richtig ermittelt worden sein - und muss die Nutzenseite in gleicher Weise sorgfältig geprüft werden. Dann kann man Kosten und Nutzen gegenüberstellen und eine vertretbare Entscheidung treffen, siehe die 15 Regeln für Wirtschaftlichkeit.

Burkhardt Krems, 2011-04-08/09 


Skater im Konflikt mit der Philharmonie

Die Kölner Philharmonie, mit Museum Ludwig zusammen als Ensemble unmittelbar an Dom und Hauptbahnhof in den 1980er Jahren entstanden, hat eine bemerkenswerte Architektur und eine gute Akustik – und ein Problem: die Terrasse über der Philharmonie, Teil des Heinrich-Böll-Platzes, ist nicht ausreichend gedämmt. Konzerte werden gestört, wenn Skater darüber fahren oder Fußgänger/innen mit harten Schuhen Trittschall erzeugen.  

Das ergab sich erst im Nachhinein, und Abhilfe ist nicht einfach. Zur Zeit sperrt man während der Konzerte den Platz, Wachpersonal passt auf, dass die Absperrung auch beachtet wird. Denn die Terrasse ist Teil eines Fußgängerbereichs, der auch den Zugang zum Museum Ludwig und die Museumsrestauration, zum Rhein und zur Altstadt erschließt und tagtäglich von vielen Besuchern genutzt wird.

„Geldverschwendung“, moniert manch Kölner Bürger: die Stadt gibt für die Sperrung und Bewachung jedes Jahr 100.000 Euro überflüssig aus. Sollte man das Problem nicht durch eine Sanierung endgültig lösen? Die Pläne sind da, Kostenpunkt: 7 Millionen Euro.

Aufgaben
1. Klären Sie gutachtlich, welche der beiden Alternativen – Sperrung und Bewachung oder Sanierung – wirtschaftlicher ist. Für
Darlehenszinsen ist nach einer Vorgabe der Kämmerei derzeit mit 4,5% zu rechnen.

2. Was könnte sonst zur Lösung des Konflikts überlegt werden?

 Ergänzende Informationen zur Kölner Philharmonie:Heinrich-Böll-Platz, 2011

Burkhardt Krems, 2011-03-29




Wirtschaftlichkeit des Einsatzes externer Experten

Siehe dazu ausführlich das Fallbeispiel "Einsatz externer Experten" im Online-Verwaltungslexikon mit Lösungshinweisen sowie Literaturangaben zu diesem in der Öffentlichkeit gern kritisch diskutierten Thema. Experten und Wissenschaftlicher sehen es teils wesentlich differenzierter, siehe z. B. die Beiträge von Martin Brüggemeier: Externe Beratung im Modernisierungsprozess: Empirische Befunde. In: Verwaltung und Management 2005, S. 86 - 92 (Online-Quelle) und Achim Trube: Ansätze zur Evaluierung und Messung beraterischer Dienstleistung in öffentlichen Verwaltungen. In: Verwaltung und Management 2005, S. 67-73 (Online-Quelle).

So wird z. B. oft übersehen, dass es sich bei Beratung um eine komplexe Dienstleistung handelt, die vorab meist nicht eindeutig und erschöpfend beschrieben werden kann. Deshalb sieht die Verdingungsordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) keine Ausschreibung vor, wenn sie überhaupt anwendbar ist (so Brüggemeier 2005, 88).

Reisekosten Berlin-Bonn-Berlin

Der Teilungskostenbericht des BMF besagt, dass für voraussichtlich 21.292 Dienstreisen aufgrund der Aufteilung der Hauptstadtfunktionen zwischen Berlin und Bonn im Jahr 2012 Mittel von 4,8 Mio. Euro benötigt werden. Frage: was kostet durchschnittlich eine dieser Dienstreisen?

Tipp: Die Antwort "225 Euro" ist leider falsch, warum? Siehe die "15 Regeln für Wirtschaftlichkeit".

Einzelfälle für ärgerliche Geldverschwendung

Kontrolle, koste es was es wolle?

Wie die Finanzverwaltung mit viel Aufwand Details kontrolliert, erst der Bundesfinanzhof stoppt sie.

Beihilfestellen verschaffen sich mehr Arbeit

... damit sie beim Leistungsvergleich (Benchmarking) besser abschneiden. Dabei sollte das Instrument Benchmarking doch eigentlich dazu führen, dass die Verwaltung besser und rationeller arbeitet. Aber es kommt darauf an, es richtig einzusetzen!


Anmerkungen
  1. "Wirtschaftlichkeit" ist dabei nie "Kostengünstigkeit", sondern immer (!) ein bestmögliches Verhältnis zwischen Nutzen und Kosten. Es bedeutet auch nicht "Rentabilität", also dass der Aufwand durch Einnahmen ausgeglichen oder sogar ein Überschuss/Gewinn erzielt wird. Mehr dazu im Online-Verwaltungslexikon und zusammenfassend die 15 Regeln für Wirtschaftlichkeit (http://www.olev.de/w/15-Regeln.pdf).



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