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Literatur und Quellen zu Public Management

Ergänzungen und Kommentare zum Verzeichnis im Online-Verwaltungslexikon olev.de 

"Betriebswirtschaftslehre": die richtige Disziplin für die öffentliche Verwaltung?

Geht es um das Schicksal von Betrieben, ihr Überleben, Blühen und Gedeihen? In der Privatwirtschaft mag das eine sinnvolle Orientierung sein, aber auch für die öffentliche Verwaltung? Für sie sollte es doch eher darum gehen, öffentliche Anliegen wahrzunehmen, das Gemeinwohl zu fördern. Dazu kann auch die Abschaffung der "Behörde", im BWL-Sprachgebrauch: des Betriebes, gehören. Organisationen sind im übrigen generell Zweckschöpfungen: in erster Linie ist also zu fragen, für welche Zwecke sie geschaffen worden sind.

Und daran schließt sich dann die Erkenntnisse an, die die "neue Institutionenökonomik", 1937 begründet und mehrfach durch Wirtschafts-Nobelpreise in ihrer Bedeutung hervorgehoben, zeigt: es kann sein, dass "Betriebe" die eigentlichen Zwecke nur unzureichend erfüllen. Betriebe sind also problematische Zweckschöpfungen, und es stellt sich die Frage, ob sie sinnvolle Lösungen darstellen oder eher die Deckung des (auch: öffentlichen) Bedarfs über den Markt oder über Kooperationen - oder durch gesellschaftliche Akteure - bis hin zur gemeinsamen Bewirtschaftung von  Gütern als Allmende (für die Analyse der Leistungsfähigkeit gemeinsamer Bewirtschaftung erhielt Elinor Ostrom 2009 den Wirtschafts-Nobelpreis!).

Die in der BWL fleißig diskutierten Frage nach den Betriebstypen ist also in einen größeren Zusammenhang einzuordnen: welches Arrangement ist für die Erfüllung der Zwecke am besten geeignet ist, welche Folgeprobleme ergeben sich? Damit kommen auch die speziellen Fragestellungen der Transaktionskosten - und der Principal-Agent-Theorie in den Blick, von denen die BWL-Literatur selten Notiz nimmt. Denn möglicherweise müsste dafür das Gesamtkonzept geändert werden.

Aber der Gewinn wäre beträchtlich: endlich gerät die Frage in den Blick, wie denn sichergestellt werden kann, dass diejenigen, die etwas für andere tun (die Beschäftigten, Lieferanten, Auftragnehmer, Professoren an Hochschulen usw.), dies auch im Interesse des "Auftraggebers" (im weitesten Sinne), im Interesse des Gemeinwohls, tun, und nicht im Eigeninteresse, und mit welchen "Transaktionskosten" es verbunden ist, dies sicherzustellen.

Auch die Fragestellung des Managements von Ressourcen durch Gemeinschaften ohne Staat und Markt, durch die Preisträger des Wirtschaftsnobelpreise 2009 ins öffentliche Bewusstsein gerückt, wird nicht aufgegriffen: dabei liegt in diesen Gestaltungsmöglichkeiten ein interessantes Potenzial für die Erfüllung von Gemeinwohl-Aufgaben, die bisher eher staatlicher Regulierung überantwortet werden, wenn man sie nicht dem Markt überlässt. Siehe z. B. Elinor Ostrom: Gemeingütermanagement – eine Perspektive für bürgerschaftliches Engagement. In: Helfrich. Silke (Hrsg.): Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. München 2009, S. 218-228, oder den Beitrag von Hartmut Kliemt zur Verleihung des Nobelpreises, FAZ vom 13.10.2009:

"Elionor Ostrom untersucht lieber konkrete Institutionen, als abstrakte ökonomische Modelle. Mit ihrer Forschung zeigt sie am Beispiel der Schweizer Almbauern oder des Wassersystems von Nepal, wie sich die Nutzer von Gemeinschaftsgütern selbst Regeln setzen. Staatseingriffe sind nicht zwingend nötig."

Kriterien für Lehrbücher Public Management (PM)

  1. Wissenschaftlichkeit: Beachtung der Standards

    Quellen werden zitiert und zutreffend wiedergegeben, unterschiedliche Meinungen werden referiert, Begriffe werden definiert und in der definierten Bedeutung konsequent verwendet

  2. "Public" Management

    Berücksichtigung der Besonderheiten der öffentlichen Verwaltung (bzw. Non-Profit-Institutionen)

  3. Anwendungsbezug

    Erläuterung durch Praxisbeispiele und "Test" daran

  4. Empirische Orientierung
  5. Berücksichtigung der internationalen Quellen

    PM ist keine deutsche Disziplin. Wer sich auf deutsche Literatur beschränkt, schöpft den vorhandenen Bestand an Wissen nicht aus: bereits Österreich und deutschsprachige Schweiz liefern wesentliche Quellen für das Thema, praktische Beispiel.

  6. Systemmodell

    Das Systemmodell ist international als Struktur für die Beschreibung von Public Management akzeptiert, einschließlich OECD, Weltbank, UNO, EU. Ohne diese gedankliche Grundstruktur lassen sich Literatur und internationale Praxis nicht verstehen, sie liefert zugleich eine Struktur für die Beschreibung, Analyse und Bewertung von Praxis.

    Dazu gehören insbesondere die Unterscheidung von  (als Ressourceninput),  und vor allem  (Wirkungen, Beitrag für das Gemeinwohl, zur Lösung gesellschaftlicher Probleme usw.). Für die Systemleistung gibt es keine international akzeptierte Bezeichnung, möglich ist "Prozess" oder "Leistungserstellung". Das Systemmodell umfasst also die Phasen Input, Prozess/Leistungserstellung, Output, Outcome.

Lehrbücher - nicht immer verläßliche Quellen

Heuermann / Tomenendal 2010: Verwechselung von KGSt und KBSt

Heuermann, Roland / Tomenendal, Matthias u. a.: Öffentliche Betriebswirtschaftslehre: Theorie, Praxis, Consulting. München 2010

Ausführlich referieren und diskutieren sie Wirtschaftlichkeitsbetrachtung nach WiBe, ein Konzept der - als Reformmotor und maßgebliche Institution für Management in der öffentlichen Verwaltung - renommierten "KGSt", der "Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement, nur dass dabei eine Verwechslung vorliegt: Herausgeber des Konzepts ist die KBSt, die eine ganz andere Funktion hat: "Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung im Bundesministerium des Innern. Website http://www.kbst.bund.de." Das dies bei der ausführlichen Referenz aus den Quellen nicht aufgefallen ist, erstaunt. Anscheinend sind die Verfasser nicht wirklich mit der Verwaltungslandschaft vertraut, sonst wäre ihnen dieser Fehler nicht passiert.


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