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Frühkindliche Förderung

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Kann es denn gelingen, die ausreichende Förderung?

Dazu der Grundsatzbeitrag aus fachkompetenter Quelle bereits 2007: Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Vorstandsvorsitzender und Direktor des DJI  „Qualifizierte Betreuung von unter Dreijährigen ist sinnvoll und machbar


HIPPY, Rucksack KiTa, und Kölner Politik

Baustein zu einer wirkungsorientierten Kommunalpolitik in Köln

Herkömmliche Sprachkurse haben sich als wirkungslos erwiesen, siehe z. B. Martin Spiewak: Zu kurz, zu spät, zu abstrakt. In: Zeit Online, http://www.zeit.de/2010/43/B-Sprachtests/komplettansicht

HIPPY, "Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters", ist nachweislich erfolgreich, in Israel entwickelt, in den USA verbreitet, populär gemacht durch den Bestseller Osborne/Gaebler, Reinventing Government, 1993 (siehe Textauszug unten), auch z. B. verwendet in Hannover im Rahmen des dortigen Konzepts, und darüber hinaus von einer Vielzahl von Sozialeinrichtungen (siehe z. B. die Mitgliederliste auf der HIPPY-Website). Siehe auch die Selbstdarstellung unten und den FAS-Artikel.

Das Kölner Konzept: „Rucksack KiTa

Ob das in Köln verwendete Konzept „Rucksack KiTa“ bessere Ergebnisse liefert ist nicht abschätzbar: es findet anscheinend kein Vergleich und keine Evaluation statt. „Rucksack KiTa“ ist an die Kindertagesstätten gebunden, erfindet das Rad neu: die in Hippy verfügbaren Konzepte und Materialien werden nicht verwendet, man entwickelt alles selbst und neu – für derzeit 3.000 Teilnehmer (Angabe auf der Website http://www.raa.de/rucksack.html am 20.08.2012).

Ein Gesamtkonzept mit Wirkungszielen und Evaluation / Monitoring ist nicht erkennbar. Ebenso wenig erkennbar ist, dass man sich mit den unterschiedlichen Konzepten auseinandergesetzt, Vergleiche mit anderen Städten angestellt und eine begründete Auswahl über das Konzept und seine Elemente und Umsetzungsbedingungen getroffen hat.

Inhalt

HIPPY - das international erfolgreiche Modell

Das Kölner Konzept "Rucksack KiTa"

Unterschiede / Diskussion

Qualifizierte Betreuung von unter Dreijährigen ist sinnvoll und machbar

Quellen

Materialien / Textauszüge
Unterschiede / Diskussion

So unterscheidet sich Hippy von Rucksack grundlegend dadurch, dass Hippy die Mütter beim Erwerb der deutschen Sprache unterstützt und ihnen hilft, ihre Kinder beim Lernen in deutscher Sprache zu fördern, während Rucksack den grundlegend anderen Weg geht, nämlich die Herkunftssprache zu verwenden, in der die Mütter mit ihren Kindern Themen bearbeiten. Damit wird ein wesentliches Ziel von Hippy nicht berücksichtigt: die gemeinsame Kommunikation von Müttern und Kindern in der deutschen Sprache. Denn bei "Rucksack" fördert die Kita nur den Erwerb und die Verwendung der deutschen Sprache bei den Kindern. Welchen Einfluss auf eine Familienstruktur hat es, wenn die Kinder etwas beherrschen, was die Mütter nicht können?Und zwar im Kontext der Kultur der Herkunftsländer?

Im häuslichen Umfeld leben die Kinder also, durch Rucksack unterstützt, kompetenter und aufgeklärter in ihrer Herkunftssprache, und wechseln dann in die Betreuung durch die Kita, wo sie in der deutschen Sprache gefördert werden. Statt einer Durchdringung von Kita und Familie werden getrennte Lebenswelten aufrechterhalten und verfestigt. Kommt die so geförderte Mutter in die Kita, wie verständigt sie sich da? Wohl am besten, indem sie ihr Kind bittet zu dolmetschen? Das Kind muss die Mutter unterstützen, sich zu verständigen - was hat das für Auswirkungen auf den Status der Mütter?

Deshalb bleibt die Frage, ob die Untersuchungsergebnisse zur fehlenden Wirksamkeit frühkindlicher Sprachförderung nicht auch auf Rucksack zutreffen. Im Übrigen: an Rucksack nehmen derzeit (Abfrage der Website 20.08.2012) bundesweit 3.000 Familien teil. Das ist wohl eher der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Und für 3.000 Familien wird die Entwicklungsarbeit finanziert, obwohl die fertigen Materialien bei Hippy schon existieren.

Voraussetzung für die Einbeziehung in das Rucksack-Programm ist darüber hinaus, dass die Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren eine Tageseinrichtung besuchen, und die Kooperation mit der Kita. Aus Integrationsberichten wissen wir, dass gerade Kinder mit Migrationshintergrund Tageseinrichtungen seltener besuchen - wo der Förderbedarf am größten ist, kann Rucksack nicht wirken! Hippy erreicht auch die Familien, bei denen das nicht der Fall ist: und das sind die Fälle mit dem höchsten Förderbedarf.

Unabhängig von der vorstehenden Diskussion der unterschiedlichen Konzepte und dem Ergebnis dieser Bewertung ist als entscheidend, weil strukturell und grundlegend und die Kultur der Verwaltung spielend, festzuhalten, dass hier keine rationale Politik erkennbar ist, die Problemlagen unter Rückgriff auf die allgemein verfügbaren Informationsquellen analysiert, Lösungsmöglichkeiten vergleicht und bewertet und Konzepte verwendet, die im Vergleich mit anderen Konzepten als politisch besonders wünschenswert, wirksam und effizient einzuschätzen sind.

Es ist das in der Politik Übliche

Wichtig ist (weil damit ist man "politisch" erfolgreich):

  • wir tun etwas
  • wir tun etwas "Besonderes", jedenfalls nichts Altbewährtes.

Der Blick über den Zaun, der Vergleich mit anderen, die Orientierung an empirisch nachweisbaren Ergebnissen, gar "Benchmarking": der Vergleich empirischer Ergebnisse mit anderen, und die Einbindung der Einzelmaßnahme in ein größeres Gesamtkonzept fehlen. Dabei kann nur dieses Gesamtkonzept ausreichend wirksam zur Problemlösung führen. Und diese Problemlösung hat ein große und nachhaltige Bedeutung für Köln: zu erreichen, dass das Bildungspotenzial ausgeschöpft, Integration gefördert, soziale Probleme vermieden werden, die die Stadt jahrzehntelang belasten können.

Wirksame frühkindliche Förderung ist deshalb eine Aufgabe von hoher Priorität.

Burkhardt Krems, 2012-08-23


Quellen

Wirksamkeit / Unwirksamkeit frühkindlicher Förderung

HIPPY

Rucksack KiTa

  • Internetseite der Hauptstelle für Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien: http://www.raa.de/rucksack.html

Materialien 

Selbstdarstellung HIPPY (http://www.hippy-deutschland.de/organisation.php)

HIPPY steht für Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters und bedeutet frei übersetzt Hausbesuchsprogramm für Eltern mit Vorschulkindern.

Das HIPPY-Programm unterstützt bildungsbenachteiligte Eltern dabei, ihre drei- bis sechsjährigen Kinder zu Hause in der Entwicklung zu fördern. Es geht um 15 Minuten täglich, welche die Eltern zusammen mit ihren Kindern am Tisch verbringen um Bücher vorzulesen, Puzzles zusammenzusetzen und andere Lernspiele mit ihren Kindern durchzuführen. Diese Aktivitäten zu Hause ergänzen die Arbeit des Kindergartens mit dem Ziel, die Kinder fit für die Schule zu machen. Gleichzeitig werden Eltern mit den nötigen Werkzeugen ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, sich am Bildungsprozess der Kinder aktiv zu beteiligen.

HIPPY konzentriert sich darauf, den Eltern Wissen über Entwicklung, Sprache und Lernen im Vorschulalter zu vermitteln. Mit den HIPPY-Materialien werden dann viele Anregungen zu gemeinsamen Aktivitäten im Alltag mit dem Kind zur Verfügung gestellt, die die praktische Umsetzung des Erlernten gewährleisten. Das Programm baut auf die enge Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern, die eine wichtige Basis für die frühen Lernerfahrungen von Kindern ist. Eltern sind die wichtigsten Lehrer von Kindern im Vorschulalter. HIPPY unterstützt sie dabei, diese Aufgabe kompetent und selbstbewusst wahrzunehmen.

Wichtige Elemente von HIPPY sind die eigens für das Programm entwickelten Spiel- und Lernmaterialien. Zur Durchführung finden regelmäßige Hausbesuche und Gruppentreffen statt. Eine weitere Besonderheit des Programms ist der Einsatz von HIPPY Deutschland e.V. geschulten Laien-Helferinnen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Mütter aus der Zielgruppe.

Textauszug aus Osborne, David / Gaebler, Ted: Der innovative Staat (Originaltitel: "Reinventing Government", 1993). Wiesbaden 1997, S. 55:

Einige Staaten sind noch einen Schritt weitergegangen mit Programmen, die die Eltern dazu motivieren, ihre Kinder im Vorschulalter selbst zu unterrichten. Arkansas hat sein Modell – Home Instruction Program for Preschool Youngsters (HIPPY) – aus Israel importiert. Jeden Tag unterrichten 2400 Sozialhilfeempfängerinnen zu Hause ihre Kinder mit einfachen Lehrbüchern. Ein ausgebildeter HIPPY-Erzieher besucht sie einmal pro Woche, um bei der Planung für die nächste Woche mitzuhelfen. 1989 schnellte der Anteil von Kindern, die bei Tests den nationalen Durchschnitt erreichten oder übertrafen, von 6 Prozent zu Beginn des Programms auf 74 Prozent am Ende des Jahrs. „In einem Projekt haben sich 18 der 39 teilnehmenden Sozialhilfeempfängerinnen nach dem ersten Jahr in Erwachsenenbildungskurse eingeschrieben“, notierte der damalige Gouverneur Bill Clinton. „Das HIPPY-Programm macht die Eltern zu den ersten Lehrern des Kindes, und so sollte es auch sein.“



Sprachförderung für Migrantenkinder fördert die Integration?

Hannovers Bürger sind damit nachweislich erfolgreich, siehe im Beitrag "Integration"

Dort auch zum Thema "Messgrößen" für Integration


 

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