Beispiele

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Arbeitssicherheit

  • "Wirkungsorientierung" bedeutet, dass es nicht auf die Durchführung von Kontrollen ankommt (die messbaren Leistungen des Amtes), sondern auf die Verringerung von Gefahren und Gesundheitsschäden (Wirkung = Outcome). Das wird wirksamer erreicht, wenn die Betriebe die Arbeitssicherheit zu ihrem eigenen Anliegen machen (Aktivierung der Eigenverantwortung, "Aktivierender Staat"),

  • und die Behörde dies kundenfreundlich unterstützt, u. a. durch Zusatzleistungen, die gesetzlich nicht vorgeschrieben sind, aber den Unternehmen nützen (Arbeitsunfälle sind teuer, gute Arbeitsbedingungen machen Arbeitsplätze attraktiv; das Amt unterstützt deshalb dabei, Arbeitsschutz wirksam und mit wirtschaftlichem Vorteil für die Betriebe zu gestalten).

  • Alle Seiten profitieren davon, nicht zuletzt auch der Steuerzahler.

(Beispiel übernommen aus dem wif-Lernprogramm des Kantons Zürich, zitiert nach olev.de).


Arbeitsvermittlung

  • Vermittlungserfolg: Integration von Arbeitssuchenden in den ersten Arbeitsmarkt über einen Zeitraum von ...

Ein klassisches Beispiel ist die Arbeitsvermittlung: es kommt nicht auf die Zahl von Beratungen oder Qualifizierungsmaßnahmen an, sondern auf den Vermittlungserfolg: wie viele Arbeitssuchende werden in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt? "Klassisch" ist das Beispiel, weil falsche Zahlen über den Erfolg der Bundesanstalt für Arbeit, vom Bundesrechnungshof aufgedeckt, die Reform der Arbeitsverwaltung auslösten. Auch das Benchmarking der Hartz IV-Optionskommunen verwendet Wirkungsindikatoren.


Bildung

Seit PISA ist Wirkungsorientierung in der Bildungspolitik ein zentrales Thema. Denn es kommt nicht darauf an, dass man unterrichtet, viel Geld dafür aufwendet, kleine Klassen bildet, ein gegliedertes oder ein integriertes Schulssystem hat, sondern auf den Qualifikationserfolg (oder konkreter für eine einzelne Bildungseinrichtung: den Kompetenzzuwachs, den ihr Bildungsprozess bewirkt). Deutschland gibt im Vergleich zu anderen Ländern mehr Geld aus bei schlechteren Bildungsergebnissen, hat also auch eine schlechte Kosten-Wirkungs-Bilanz.  Entsprechendes gilt im Vergleich der Bundesländer: wer viel ausgibt pro Schüler, hat nicht unbedingt die besten Bildungsergebnisse.

Weitere Einzelbeispiele: 


Diskriminierung von Migranten

  • Zahl von Bewerbungen bis zur Einladung zum Vorstellungsgespräch
Im OECD-Durchschnitt ist sie für Bewerber mit Migrationshintergrund doppelt so hoch, siehe OECD (2013), International Migration Outlook 2013, 192 f.:

"One rather unambiguous measure that has been applied in a growing number of OECD countries is testing studies in recruitment processes in which fictitious CVs are submitted to hiring companies in which only the name, nationality or country of birth indicates an immigrant background. These testing studies suggest that it is not uncommon for immigrants and their offspring to have to send more than twice as many applications to get invited to a job interview than persons without a migration background who have an otherwise equivalent CV."


Kinder

Frühkindliche Förderung

  • Häufigkeit, in der Kindern in ihrer Familie vorgelesen wird ("Percentage of Children Ages 3 to 5 Who Were Read to Every Day in the Last Week by a Family Member")

Beispiel eines Indikators von Child Trends: http://www.childtrends.org/?indicators=reading-to-young-children&charts2pdf=1&pdf=5097

Wohlbefinden (nationaler Bericht USA)

America’s Children in Brief: Key National Indicators of Well-Being, 2012


Langzeitarbeitslosigkeit

  • "Die Leute in den ersten Arbeitsmarkt bringen"

Als Beispiel für wirkungsorientiertes Handeln - noch vor Hartz IV - siehe den Bericht "Der Main-Kinzig-Kreis geht erfolgreich neue Wege in der Sozialpolitik und spart damit viel Geld". Statt Verwaltung der Arbeitslosigkeit werden hier alle Möglichkeiten aller Akteure genutzt, um Arbeitssuchenden den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Aus dem Bericht im Rheinischer Merkur Nr. 36/2003:

Vor sieben Jahren begann der Kreisbeigeordnete Erich Pipa damit, Teams aus den verschiedenen Ämtern zu bilden, um so für erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger ein individuelles Paket zu schnüren. „Unser Ziel ist es, die Leute in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen“, erklärt Pipa. „Jeder, der bei uns Hilfe beantragt, muss sich einem individuellen Gespräch stellen. Einfach Antrag ausfüllen, abgeben und kassieren geht nicht.“ Wer sich verweigert, muss mit einer Reduzierung der Sozialhilfe rechnen. „Das kann bis zu 100 Prozent gehen.“ Am Ende des Gesprächs steht eine verbindliche Vereinbarung, die der Antragsteller unterschreiben muss.  

Im Unterschied zu den Arbeitsämtern begnügte man sich also nicht mit dem "Gesetzesvollzug", sondern orientierte sich an dem Wirkungsziel, "die Leute in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen". Leistungen wurden auf den Prüfstand gestellt und modifiziert (Vereinbarung statt Bescheid) und zusätzliche Hilfe, z. B. um Kinderbetreuung oder Fahrtmöglichkeit zur Arbeitsstelle zu ermöglichen. Dabei wurden auch die Möglichkeiten freier Träger und ehrenamtlicher Akteure genutzt. Ein weiteres Merkmal: Fallmanagement.

Die im Main-Kinzig-Kreis entwickelten Modelle haben auch die Hartz-IV-Regelungen beeinflusst und dazu beigetragen, dass "Optionskommunen" die Betreuung eigenständig wahrnehmen können. Sie vergleichen ihre Arbeit in einem besonderen  Benchmarking der Hartz IV-Optionskommunen, bei dem auch Wirkungsindikatoren verwendet werden.

Wohnen im Alter

Länger selbstständig leben im Alter! Wirkungsorientierte Gestaltung im Landkreis Borken

Leitziel (und Wirkungsziel): Möglichst langes selbstständiges Leben im Alter

Auswahl von 5 Zielgruppen, u. a.

  • Ältere Menschen mit Demenz
  • Ältere Menschen im Krankenhaus
  • Ältere Engagierte

Angestrebte Wirkungen für die zweite Zielgruppe: ältere Menschen im Krankenhaus:

  • Ältere sind für die Phase nach der Entlassung gestärkt
  • Geringe Wiederkehrerquote
  • Verzögerung bzw. Verhinderung einer Heimunterbringung

Zielgröße / Wirkungskennzahl:

50% der begleiteten Personen leben sechs Monate nach der Entlassung noch in der eigenen Häuslichkeit.

Quelle: Schröder, Jan (2010), ergänzend ders.: Präsentation "Wirkungsorientierung: Sozial- und Gesellschaftspolitik gemeinsam gestalten" auf dem 15. Europäischer Verwaltungsreformkongress

Bremen, 3./4. Dezember 2009

Auszug aus Jan Schröder (2009): Präsentation "Wirkungsorientierung: Sozial- und Gesellschaftspolitik gemeinsam gestalten" 


Weitere Beispiele für Ziele und Kennzahlen

Überblick aus dem Online-Verwaltungslexikon olev.de

  • Ausmaß der Gefährdung durch Straftaten (Wahrscheinlichkeit, Opfer einer bestimmten Art von Straftaten zu werden). 
  • Sicherheitsgefühl der Bürger (Mittelwert auf definierter Skala / Prozentsatz der Bürger, die angegeben, sich in bestimmten Situationen unsicher zu fühlen).
  • Gesundheitspolitik / Aids/HIV
    • Grad der Informiertheit der Bevölkerung über Infektionswege von Aids (Prozentsatz, die bestimmte Informationen besitzen)
    • Zahl von HIV-Neu-Infektionen / Quote bezogen auf eine Zielgruppe
  • Erreichung von Bildungsstandards (PISA) (Index-Zahl)beruflicher Erfolg, gemessen als Quote der Absolventen, die eine bestimmte berufliche Position erreicht haben
  • Zufriedenheit der Arbeitgeber mit der Qualifikation von Absolventen von Bildungseinrichtungen, in %

Friedhöfe

(Beispiel Stadt Münster, übernommen von http://www.neues-kommunales-finanzmanagement.de/html/img/pool/stadt_muenster-bildung_von_zielen_und_kennzahlen.pdf am 05.05.2013) 

Mit der Übernahme ist keine Bewertung verbunden, vielmehr soll damit die Diskussion anhand eines praktischen Beispiels möglich sein. Die definierten Ziele sind keine Wirkungsziele und weniger geeignet. B. K.

Produktgruppe Friedhöfe

Beschreibung:
Die Produktgruppe beinhaltet die Konzeptionierung, den Bau und die Unterhaltung von Friedhofsanlagen, die Durchführung von Bestattungen und Beratung von Angehörigen (= Produkt 1) sowie die Pflege von Kriegsgräbern (= Produkt 2). Bei dem Betrieb der städtischen Friedhöfe handelt es sich um eine gebührenrechnende Einrichtung.

Ziele:
  1. Die ausreichende Versorgung mit Friedhofsflächen ist dauerhaft sicherzustellen.
  2. Die Friedhofsgebühren bzw. die Erstattungszahlung des Bundes für Kriegsgräber sollen die jeweiligen Kosten zu 100% decken.
Zielkennzahlen: 
  • Verhältnis erworbener zu abgelaufenen Nutzungsrechten (in %)
  • Mögliche Erweiterungsfläche (in ha) 
  • Zuschussbedarf für komm. Friedhöfe gem. Gebührenrechnung (in €) 
  • Zuschussbedarf für Kriegsgräber (in €) 
Leistungsdaten: 
  • Teilergebnis (Zuschussbedarf) pro Einwohner/in (in €)
  • Anteil des Teilergebnisses am Gesamtjahresergebnis (in %)
  • Aufwandsdeckungsgrad (in %)
  • Anzahl der Bestattungen Waldfriedhof Lauheide
  • Anzahl der Bestattungen Stadtteilfriedhöfe
  • Anzahl belegte Gräber insgesamt
  • Fläche Waldfriedhof Lauheide und Stadtteilfriedhöfe insgesamt (in ha)


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